Interview
INTERVIEW mit Niki am 21. Jänner 2009 in Bichlbach
• Niki wie geht’s Dir mit Deiner Verletzung? Hast Du noch Schmerzen und wie verläuft die Heilung?
NIKI: Ich habe nur noch leichte Schmerzen und mit dem Heilungsprozess bin ich sehr zufrieden. So wie auch mein Arzt Dr. Hoser. Die Heilung verläuft bis jetzt schneller als erwartet.
• Wieso bist Du bei Dr. Hoser in Innsbruck bzw. Hochrum?
NIKI: Dr. Hoser ist schon seit über 10 Jahren mein Arzt in allen „sportlichen“ Belangen. Er ist ein sehr guter Sportarzt und genießt mein vollstes Vertrauen.
• Gab es ein mentales / seelisches Tief nach der Verletzung? Oder lebst Du als Spitzensportlerin mit dem Risiko einer Verletzung und nimmst eine solche hin wenn sie passiert?
NIKI: Nein, eigentlich hatte ich kein Tief. Ich war und bin im Grunde genommen froh, dass nicht noch mehr passiert ist.
Mit dem Risiko welches ich als Skifahrerin habe, damit lebe ich. Aber nur solange es noch kalkulierbar ist, das heißt für mich – ist das Risiko zu groß, ziehe ich auch Konsequenzen, für diesen Moment. Als Beispiel die Abfahrt in Aspen (USA) im Dezember 2007. Dort waren die äußeren Umstände (Pistenpräparierung) zu schlecht, sodass ich kurz bevor ich aus dem Start hätte müssen, meinen Start zurückgezogen habe. Im Nachhinein gesehen war das auch die richtige Entscheidung!
• Glaubst Du die Verletzung wirft Dich in Deiner Karriere zurück, oder ist sie ein Schlussstrich unter, sagen wir mal, ein verkorkste Zeit? Seit Deiner besten Saison 2006/07 mit Gesamtweltcupsieg, RTL-WC-Sieg, RTL-WM-Titel und WM-Abfahrt-Bronze lief es ja nicht mehr ganz 100%ig rund? Irgendwie war immer wieder der Wurm drinnen. Du hattest zwar keine schlechte Saison 2007/08 (viele andere wären froh über solche Saisonen) aber der letzte Rest hat immer wieder gefehlt! Und auch heuer ging es immer bergauf und bergab.
NIKI: Nein, ich glaube nicht das mich diese Zwangspause in der Karriere zurückwirft. Eine Verletzung hat ja auch oft etwas Positives. Für mich ist es ein Schlussstrich und somit ein Neuanfang. Jetzt kann’s nur bergauf gehen.
• Was war der 1. Gedanke nach dem Sturz?
NIKI: Sch….! Ich hab sofort gewusst, dass da mehr passiert ist!
• Was denkt man auf der langen Fahrt von Zagreb nach Innsbruck?
NIKI: Ich habe nur gehofft, dass es nicht allzu schlimm ist. Und so war ja dann auch.
Es hätte ja noch viel mehr gebrochen und gerissen sein können!
• Viele Leute waren verwundert, dass Du als „Skistar“ mit dem Auto transportiert wurdest. Gibt’s da keine Sonderprivilegien für Euch?
NIKI: Nein, eigentlich nicht. Aber in diesem Moment war der Transport mit dem Fanclubbus eh die beste Lösung. Die Air Ambulance hätte nämlich erst so spät nach Zagreb kommen können, sodass wir mit dem Auto schon fast in Innsbruck waren. Außerdem bin im VW-Bus sehr gut gesessen. Ich konnte mich ja auf einer ganzen Bank ausbreiten.
• Wie schaut’s mit deinen Muskeln aus – alle schon weg?
NIKI: Weg sind die Muskeln nicht. Die sind nur eingefallen, da sie keinen Tonus (Spannung) mehr haben. Aber dass bekomm’ ich mit Hilfe von Gerhard bald wieder in Griff.
• Was treibst Du den ganzen Tag? Fällt Dir zu Hause schon die Decke auf den Kopf?
NIKI: Nein, da ich eh selten daheim bin. Ständig gibt es irgendwelche Therapietermine. Zwischendurch auch mal ein wenig Pressearbeit und am Donnerstag und Freitag werde ich in Kitzbühel bei den Herrenrennen vor Ort sein. Und ein wenig Kraft und Kondition darf ich ja auch schon trainieren.
• Schaust Du Dir die Damenrennen im TV oder vielleicht auch live an?
NIKI: Die meisten der Skirennen hab ich mir bis jetzt schon angeschaut, aber nicht alle. Immer steht mir die Laune auch nicht danach.
Die Rennen in Garmisch werde ich aber live beobachten!
• Rechnest Du mit einem WM-Start? Wärst Du sehr enttäuscht, wenn es nicht klappt?
NIKI: Es ist immer noch schwer zu sagen, ob es klappt, aber die Hoffnung lebt! Die Chancen sind 50:50. Wenn es nicht zu einem WM-Start kommen sollte, dann wäre ist zwar nicht erfreut, aber auch nicht enttäuscht. Natürlich steht man lieber am Start und ist dabei, aber die Gesundheit geht vor und wenn ich nicht 100%ig fit bin, dann starte ich auch nicht!
• Ziele für den Rest der Saison?
NIKI: Nummer 1: Gesund werden. Dann heißt es mal abwarten. Alles hängt davon ab, bis wann ich wieder fit bin und auch wie das Skifahren nach der Verletzung funktioniert. Ich werde auf jeden Fall nichts überstürzen.
• Blick in die Zukunft: Für heuer hast Du Dir ja einiges vorgenommen (WM, Kristallkugel). Nächstes Jahr Olympiade in Vancouver. Was hast du für nächstes Jahr für Erwartungen. Wo liegt Dein geplantes Ziel, oder denkst Du als Sportler nicht soweit voraus.
NIKI: Doch, ich denke schon voraus, aber ich mache keine besonderen Pläne. Kristallkugeln kann man sowieso nicht planen, die passieren, wenn alles klappt. Und hoffentlich klappt alles. Tja und eine Olympiamedaille ist, glaube ich, der große Traum eines jeden Sportlers. Ich habe zwar schon eine Silberne (Slalom Turin 2006), aber eine Goldene wär’ auch nicht schlecht!
Für mich steht jetzt jedenfalls alles auf Neuanfang und Rückkehr zu alter Stärke.
• Damenteam in der Krise! Warum, wieso, weshalb?
NIKI: Krise möchte ich nicht sagen. Es gibt halt viele Umstände die es meinem Team momentan nicht gerade leicht machen. Das Positive ist – es kann nur bergauf gehen! Die Verletzungen von Marlies und mir machen dem Team sicher zu schaffen. Waren wir doch für Topergebnisse immer zu haben. So ist bei den Technikerinnen nur noch Zetti übrig, die momentan eine Siegläuferin ist! Die hohe Erwartungshaltung an die Anderen macht es zudem nicht leichter. Von allen Seiten werden Siege gefordert. Und bei den „Speederinnen“ ist die Situation ähnlich. Maria Holaus hat sich ja auch schon wieder verletzt!
• Gab’s schon viele Genesungswünsche?
NIKI: Ja sehr viele, die mich alle sehr freuen und beflügeln!
• Deine Tipps für WM und Gesamtweltcup?
NIKI: Das ist eine schwierige Frage. Mal sehen ob ich recht behalte.
Im Gesamtweltcup könnte Anja Pärson, die lachende Dritte sein!
Für die WM tippe ich: Abfahrt – Lindsey Vonn; Super-G – Anja Pärson; RTL – Kathrin Zettel; Slalom – Kathrin Zettel, Team - Österreich
Alles Gute für den Heilungsprozess und hoffentlich bis bald auf den Rennstrecken dieser Welt!




